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DJV Schleswig-Holstein: Es hat doch einer gemerkt Drucken E-Mail
Sonntag, 04. Mai 2008
abgewirtschafteter_presseausweis.pngAbgewirtschafteter Presseausweis: Nur noch ein Kärtchen wie viele

„Das merkt doch keiner“, trösteten sich in Kiel die Verantwortlichen des schleswig-holsteinischen DJV-Gaus über den Verlust des „amtlich anerkannten“ Presseausweises hinweg. Dass Benno „The Loser“ Pöppelmann, der Mega-Verlierer des deutschen Verbandswesens, das Hauptargument für die teure Mitgliedschaft im DJV durch verbandstypische Kombination aus abenteuerlicher Selbstüberschätzung und arrogante Verachtung für andere bei der Innenministerkonferenz am Nikolaustag 2007 versenkt hatte, nimmt man an der Förde wie all die anderen fatalen Niederlagen apathisch hin.

Natürlich hätte man in Schleswig-Holstein und anderswo noch im Dezember 2007 das Antragsformular für den - nun eben nicht mehr „amtlich anerkannten“ - Presseausweis ändern müssen. Denn da stand noch etwas von einer Vereinbarung mit den Innenministern der Länder, die es einzuhalten gelte. Weil just diese Vereinbarung noch am 6. Dezember 2007 durch entsprechende Erklärung der Länder außer Kraft getreten war, hätten die DJV-Landesverbände diesen Passus unverzüglich löschen müssen.

Doch das taten sie nicht, auch die Nordlichter um den spröden Vormann Frömter nicht. Sie vertrauten offenbar darauf, das zahlende Publikum durch einen unveränderten Text über ein gravierend verändertes Produkt täuschen zu können. Wie nicht nur die Causa Berlin-Brandenburg belegt, gilt es im DJV als besonders clever, mit Lug und Trug zu jenen „Erfolgen“ zu gelangen, die auf ehrlichem Wege unerreichbar sind.

Doch für ein erfolgreiches Leben nach Heuschrecken-Art genügt übler Charakter nicht - man braucht Intelligenz. Und dazu gehört die - unter DJV-Arbeiterführern mit Lizenz zum Lügen als degoutant angesehene - Erkenntnis, dass man sich bei Presseausweisen im gewerblichen Bereich befindet und es Wettbewerber gibt, die ihren Konkurrenten DJV aufmerksam beobachten.

Das ist eine der Folgen Pöppelmannscher „Verbrannte Erde“-Strategie. Denn mit dem Verlust der „amtlichen“ Anerkennung ist der DJV-Ausweis nur noch einer von vielen. Es ist ein Markt entstanden, auf dem das Wettbewerbsrecht („Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb“ - UWG) gilt. Und das hat ungeahnte Folgen.

So flatterte den schleswig-holsteinischen Ex-Ausweis-Monopolisten prompt eine Unterlassungs-Verpflichtungs-Erklärung vom Fachjournalisten-Verband, einer Aktiengesellschaft, ins Gewerkschafts-Kontor. Die linken Markt-Verächter sollten es bei Meidung einer gehörigen Strafzahlung unterlassen, weiter zu behaupten, der DJV-Presseausweis habe etwas mit einer Vereinbarung mit den Innenministern zu tun.

Frömter musste erkennen, dass es doch jemand gemerkt hatte. Der Landesverband Schleswig-Holstein - und andere, die auch abgemahnt worden waren - unterschrieb zähneknirschend die geforderte Erklärung.

Doch damit ist die Sache nicht erledigt. Der Fachjournalisten-Verband fordert die üblichen Rechtsanwaltsgebühren für die Abmahnungen diverser DJV-Klassenkampfeinheiten. Die freilich, auch Frömter, weigern sich zu zahlen.

Sie hätten doch, so erklären sie ebenso treuherzig wie juristisch abwegig, die Aufforderung befolgt; damit müsse es jetzt gut sein. Das finden der Fachjournalisten-Verband und sein Anwalt gar nicht. Deshalb haben sie kürzlich die zahlungsunwilligen Landesverbände bei Gericht verklagt. Die haben wohl immer noch nicht verstanden, welcher Wind da draußen in der freien Wirtschaft weht - zu der sie dank Dauerverlierer Pöppelmann jetzt gehören.

Die Vorstellung, einfach so zu tun, als sei nichts gewesen beim Presseausweis, ist nun gescheitert. Die Täuschung des Publikums ist misslungen. Aufgeschreckt durch Alarmrufe ausgerechnet vom Ausweis-Vernichter Pöppelmann änderten sich wie von Geisterhand die im Internet einsehbaren Antragsformulare. Dort ist jetzt nur noch kryptisch von einer „Vereinbarung der ausstellungsberechtigten Verbände“ die Rede. Die ist aber völlig belanglos, seit jeder Verband beliebig Presseausweise ausgeben kann.

Nur beim Bayerischen Journalisten-Verband gibt es gar keinen Internet-Antrag mehr für Nicht-Mitglieder. Geschäftsführerin Frauke Ancker, noch vom Neo-Nazi-Guru und Ex-SS-Unterscharführer Franz Schönhuber in den Verband eingeschleust, hatte im DJV-Gesamtvorstand seit längerem für die These „Ausweise nur für Mitglieder“ geworben, doch unter den um ihre Finanzen fürchtenden Funktionären keine Zustimmung gefunden. Brandenburgs Vorstand Klaus Minhardt, früher Bayern, lässt sich zu einem fröhlichen „Danke, Ancker“ hinreißen: „Wer in Bayern keinen Ausweis bekommt, ist uns beim Landesverband Brandenburg willkommen.“

Mit dem Presseausweis ist ein großer Flügel des DJV-Luftschlosses krachend zusammengefallen. Während nach dem Prinzip „Der Dümmste wird es“ inthronisierte einfältige Apparatschiks sich noch verzweifelt gegen die Überflutung ihres kuscheligen Funktionärs-Biotops durch den bitterbösen Markt stemmen, knistert es merklich im Gebälk des Rittersaals.

Rette sich, wer kann?

 
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