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DJV Nordrhein-Westfalen: Teppichknüpfer aller Länder, vereinigt euch! Drucken E-Mail
Sonntag, 20. April 2008
Alles wird immer schlimmer - das weiß man aus der Zeitung. Doch nun hat Helmut Dahlmann, vielumjubelter Chef aller nordrhein-westfälischen Journalisten, schwer investigativ Grauenhaftes enthüllt: „Wir befinden uns als Journalisten, als Produzenten von Information in der gleichen Rolle wie Kinder, die irgendwo in China Turnschuhe für Adidas oder Puma zusammennähen oder in irgendeinem indischen Provinzdorf Teppiche knüpfen.“

kinderarbeit_teppichknpfen.pngKinderarbeit Teppichknüpfen: DJV-Hilferuf aus dem Elend in NRW

Da ging ein Raunen durch die mit rund achtzig Unentwegten schier unübersehbar machtvollen Reihen des Medien-Proletariats, das sich am 19. April 2008 in der „Parkhalle“ Iserlohn zum „Gewerkschaftstag“ des DJV Nordrhein-Westfalen versammelt hatte, um zur Sonne, zur Freiheit zu streben. Während der böse Klassenfeind, die Zeitungs- und Zeitschriftenverleger, in banger Erwartung den - natürlich nur zu berechtigten - Forderungen der Werktätigen entgegenzitterte, peitschte Arbeiterführer Dahlmann die Stimmung dem Höhepunkt entgegen: „Journalisten sind nur noch die modernen Kulis der Verleger.“

Das saß. Die Massen erhoben sich und brachen spontan in Rufe aus wie „Wir wollen keine Kulis sein, kommt Genossen, reiht euch ein!“ oder „Dahlmann, geh’ du voran!“. Dann verbreitete sich unter den tapferen Gewerkschaftlern - fast 99 Prozent waren daheim geblieben - die überraschende Nachricht, es existierten Tarifverträge, die der DJV den kapitalistischen Blutsaugern mutig abgetrotzt habe.

Dort fand man die schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Ein durchschnittlicher deutscher (!) Redakteur muss mit einen Gehalt zwischen vier- und fünftausend Euro im Monat auskommen. Ein aufgebrachter Werktätiger brachte es auf den Punkt: „Kollege Dahlmann hat recht: Mehr hat ein indischer Teppichknüpfer auch nicht - wir sind alle Teppichknüpfer!“

kuli-fhrer_dahlmann.pngKuli-Führer Dahlmann (links): Der Spartakus von Iserlohn

Dieser Dialektik konnte sich keiner entziehen. Doch - was tun? 

„Die Produkte werden für teures Geld verkauft“, geißelte Dahlmann („Der rote Helmut“) erbarmungslos die Raffgier der bitterbösen Verlage, die „mutiert“ seien zu „Medienhäusern“. Besonders Freie Journalisten würden dort mit „Mini-Honoraren“ abgespeist.

Da müsse es doch, so der Ober-Proletarier, „eigentlich verwundern, dass der Organisationsgrad unter den Kolleginnen und Kollegen nicht bedeutend höher ist.“ Tatsächlich sind nordrhein-westfälische Redakteure nach nun sechzigjährigem Wirken des DJV so verelendet, dass nur etwa zwanzig Prozent sich die stolzen Mitgliedsbeiträge leisten können. Und fast täglich werden es weniger. Die Verleger kommen mit dem Händereiben kaum noch nach.

Schonungslos deckte Arbeiterführer Dahlmann die Gründe auf: „Wir haben keine Loks, mit denen wir die Mobilität in Deutschland lahm legen könnten, wir können auch nicht dafür sorgen, dass sich an den Straßenrändern Abfallberge türmen.“ Da kamen die Massen ganz schön ins Grübeln - keine Loks, kein Müll, was dann?

Helmut Dahlmann wies den Weg ins Journo-Paradies: „Wir müssen ganz neue Formen des Arbeitskampfs entwickeln.“ Darauf muss man kommen. Endlich spricht es einer mutig aus: „Neue Formen“, na also, geht doch. Jetzt muss man nur noch „das Geschäft mit Informationen konsequent lahm legen“ - und der Sieg im Klassenkampf ist dem DJV nicht mehr zu nehmen.

Wer sagt es den Verlegern?

Jetzt fragen sich freilich so manche Mitglieder des DJV-NRW, ob sie wirklich in einem Verband verelendeter Turnschuhnäher und Teppichknüpfer gut aufgehoben sind. „Mit erfolgreichen Journalisten, die entsprechend gut verdienen, hat der DJV Nordrhein-Westfalen wohl nichts im Sinn, er konzentriert sich auf das Prekariat - doch wer will da schon hin?, “ meint eine bekannte Kölner Medienfrau, die ihren Austritt erwägt.

Aber daran ist natürlich nicht Arbeiterführer Helmut Dahlmann, sondern der Raubtier-Kapitalismus schuld.

 
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