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DJV-Geschäftsführer: Management by Kaffeekränzchen Drucken E-Mail
Mittwoch, 26. März 2008
maritim-bar.pngBar im Maritim Grand Hotel: Alles rein privat, aber der DJV zahlt

Das Wetter in Hannover an jenem 12. März 2008 war aprilhaft: Viel Regen, oft Sturm, ungemütliche Temperaturen. Der Mann mit Schlapphut und hochgeschlagenen Mantelkragen, der vor dem „Maritim Grand Hotel“ am Friedrichswall am Morgen gegen 8.50 Uhr auf und ab ging, riss plötzlich die Tür eines wartenden Taxis auf und befahl dem Fahrer: „Folgen Sie dem vorigen Wagen!“ Eine eher milde Jagd begann, denn das Ziel hatte ein „Freund“ schon durchgestochen.

Währenddessen ließ eine junge Frau die Videokamera mit dem auffälligen Richtmikrofon nicht vom Auge und filmte eine Reihe von Gestalten, die aus dem Hotel schlurften, zu jeweils mehreren in Taxis stiegen und davonfuhren. Derweil befragte ein Mann im hellen Jackett („Agent Orange“) die Hotel-Angestellten im Back Office nach bestimmten Buchungen.

Ein paar Minuten später traf der seltsame Autokorso in der Straße „Schiffgraben“ ein und hielt vor Haus Nummer 15. Dort befindet sich das Büro des DJV-Landesverbands Niedersachsen. Die Besucher wurden schon von der Geschäftsführerin Elisabeth Harries erwartet: Fast alle Geschäftsführer der DJV-Landesverbände und der Stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Benno „The Loser“ Pöppelmann, dem der Schlapphut-Mann gefolgt war. Pöppelmann, größter Prozessverlierer der deutschen Verbandsgeschichte, vertrat seinen Chef, den Hauptgeschäftsführer Hubert „Der Pate“ Engeroff. Der neigt in bestimmten Situationen zur „grippalen Infektion“.

Wiederum ein paar Minuten später, fast zeitgleich mit dem Eintreffen der bayerischen Geschäftsführerin Frauke Ancker, der früheren Vertrauten des Ex-SS-Führers und Neo-Nazi-Vormanns Franz Schönhuber, legte der geheimnisvolle Mann den Hut im Flur ab und begab sich in das Landesverbandsbüro, dessen Tür nur angelehnt war. Zielstrebig betrat er den Sitzungsraum, wo die Damen und Herren Geschäftsführer mitsamt Bundes-Obermufti Pöppelmann ob seines Erscheinens augenblicklich in Schreckensstarre verfielen - sie sagten kein einziges Wort.

Der geheimnisvolle Besucher war Klaus Minhardt, Vorstandsmitglied und Geschäftsführer des Landesverbands Brandenburg, der Mann, der als einziger nicht dabei sein sollte. Er hängte seinen Mantel, der dem Vernehmen nach aus CIA-Beständen in München stammen und ein besonderes Innenleben haben soll, an den Kleiderständer, legte seinen Laptop-Computer auf den Konferenztisch und setzte sich auf einen freien Platz.

Minhardt wollte nichts anderes als die anderen auch: an der vom DJV-Hauptgeschäftsführer Hubert „Der Pate“ Engeroff am 1. Februar 2008 für den 12. März 2008 nach Hannover einberufenen Geschäftsführer-Konferenz teilnehmen. Dort sollte über die kritischen Finanzen, die vom Niedergang gebeutelten Mitgliederzahlen und weitere die Landesverbände interessierende Themen Tacheles geredet werden.

engeroff.pngInfizierter Funktionär Engeroff: Die Viren kommen pünktlich

Doch daraus wurde nichts, jedenfalls nicht in Anwesenheit eines Vertreters des „bösen“ DJV-Brandenburg. Geschäftsführerin Harries fasste sich und forderte Geschäftsführer Minhardt auf, die Geschäftsführertagung unverzüglich zu verlassen. Auf Minhardts Einwand, er habe dasselbe Recht wie alle anderen, an der Geschäftsführertagung teilzunehmen, erwiderte die Blondine kühl: „Dies ist keine Geschäftsführertagung, dies ist eine private Veranstaltung.“

Der Brandenburger, der genug gesehen hatte, packte seine Sachen und ging. „Wäre ich geblieben, wären die Herrschaften wohl in eine private Wohnung ausgewichen“, mutmaßt er. Draußen vor der Tür traf der Geschäftsführer, der beim „privaten Geschäftsführer-Kaffeetrinken“ nicht dabei sein sollte, seine Kamerafrau und organisierte die weitere Arbeit.

Rund 700 Kilometer entfernt auf seinem Landsitz in Frankreich hatte der Brandenburgische Vorsitzende Hans Werner Conen ständig Kontakt zum „Kommando Kaffeekränzchen“. Er erhielt Kurzberichte und Bilder vom Ort des Geschehens.

Die Operation in Hannover hatte schon am Vorabend begonnen. Nachdem Hauptgeschäftsführer Engeroff zwar am 1. Februar 2008 schriftlich eingeladen, die angekündigte Tagesordnung aber - jedenfalls für Brandenburg - „vergessen“ hatte, folgte am 10. März 2008 die „Absage“ der Tagung durch den inzwischen für Tricks und Täuschungen berüchtigten Funktionär. Schon ein Jahr zuvor hatte Engeroff („Kanzler des Lügenreichs“) in Erfurt ein gleiches Stück aufgeführt: Erst Einladung, dann (Schein-) Absage, dann telefonischer Rundruf an alle außer Brandenburg, die Tagung finde natürlich statt, nur in einem anderen Hotel. So war es dann auch. Alle waren da. Nur Brandenburg nicht.

Dasselbe Spiel nun in Hannover. Obwohl die Geschäftsführertagung schon am Montag „abgesagt“ war, reisten alle Teilnehmer unverdrossen am Dienstag spätnachmittags an und checkten im „Maritim Grand Hotel“ ein. Die dort reservierten Zimmer hatte Trickser Engeroff trotz „Absage“ nicht storniert. Nur ein Zimmer war trotz Bestellung nie reserviert worden: das für Brandenburg.

Kaum waren alle da, waren sie auch schon wieder weg: Sich im „Maritim Grand“ - man gönnt sich ja sonst nichts - sehen zu lassen, schien dann doch zu gefährlich. Indes, das Ausweichen zu einer Abend-Sitzung ins benachbarte „Lühmanns Hotel am Rathaus“ - Thema: Das Presseausweis-Debakel - nützte nichts. Der ältere Herr, der etwas abseits von den Versteck-Spielern sein Bier trank, hörte noch recht gut. Und Vorstand Klaus Minhardt, aus Hamburg angereist, hatte - einem vertraulichen Tipp eines Geschäftsführers folgend, der die Lügen-Komödien „zum Kotzen“ findet - wohlweislich seine Übernachtung in „Lühmanns Hotel am Rathaus“ gebucht. „Als ich noch an der Rezeption stand, kam plötzlich Frauke Ancker direkt an mir vorbei“, erinnert sich Minhardt, „da habe ich mir ein schönes Plätzchen gesucht. Die Frau spricht ja laut genug.“

luehmanns_hotel_am_rathaus.pngLühmanns Hotel am Rathaus: Geheimes Treffen war nicht geheim

Bei seiner „Absage“ hatte Hubert „Der Pate“ Engeroff, niedergestreckt vom „grippalen Infekt“, treuherzig angekündigt, sich schnell mit den Landesverbänden wegen eines Ersatztermins in Verbindung setzen zu wollen. Das war am 11. März 2008. Jedenfalls in Brandenburg liegt auch sieben Wochen danach noch immer keine Anfrage des am Tag danach durch eine „Spontanheilung“ Genesenen wegen einer Geschäftsführertagung vor. „Wir rechnen auch nicht damit, schließlich war sie ja schon“, amüsiert sich Brandenburgs Minhardt.

Zu den weiteren Folgen der völlig missratenen „Aufführung einer unbegabten Laienspielschar auf Sonderschul-Niveau“ (Brandenburgs Finanzchef Koch) schweigt man in der Holsteinischen Straße in Berlin. „Wir gackern erst, wenn das Ei gelegt ist“, wehrt Koch alle Fragen ab.

Einiges bietet sich an: Die zum Teil weiten und teuren Reisen der Geschäftsführer können nicht dienstlich gewesen sein - die Tagung war ja abgesagt. Wer zu einem „privaten Kaffeetrinken“ fährt, muss das auch privat bezahlen. Gut möglich, dass die Finanzämter das demnächst prüfen; sie kennen ihre Pappenheimer vom DJV inzwischen ganz gut. Und wenn die Damen und Herren Geschäftsführer für das „private Kaffeetrinken“ doch in die jeweilige Vereinskasse gegriffen haben (München-Hannover kostet 179 Euro je Nase und Strecke), hat der Staatsanwalt ein hässliches Wort dafür: Untreue.

Überdies kann man nicht ausschließen, dass Engeroffs Kindergarten-Versteckspiel-Spektakel aus dem DJV-Lügenreich sich längst bis zu den Arbeitgeber-Verbänden durchgesprochen hat. Da könnte dann der ohnehin nur noch für Verschlechterungen und Minus-Ergebnisse gute Ex-„Tariffuchs“ zur Lachnummer des Klassenfeinds werden. Ein bitteres, aber selbst gewähltes Ende für einen, der vor allem sich selbst verraten hat.

Nur einer schmunzelt. Hans Werner Conen, „Staatsfeind Nummer eins“ des abgewirtschafteten Journo-Clubs, ätzt heiter: „Wer eine solche Groteske glaubt nötig zu haben, ist unrettbar verloren. Ich hab’s allen gesagt: Unrecht’ Gut gedeihet nicht. Wer nicht hören will, muss fühlen.“

 
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