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„Fritsch steht mit beiden Beinen im rechten Lager“ Drucken E-Mail
Mittwoch, 20. Februar 2008
Alexander Fritsch.pngWie der DJV einmal einem rechtsradikalen „Chefdenker der Nationalliberalen“ zujubelte

Was Alexander Fritsch beruflich so macht, ist - wie beim Vorsitzenden Konken - nicht ganz klar. Gelegentlich als Freier Mitarbeiter ein kleiner Auftrag von der Agentur Reuters, hört man. Ob und wie er davon leben kann, liegt im Dunkel. Da ist viel Zeit fürs Hobby, die Vereinsmeierei. Und so schritt das Vorstandsmitglied des vom DJV-Berlin abgespaltenen „Vereins Berliner Journalisten“ (VBJ) als erster Redner ans Pult des Saarbrücker DJV-Verbandstags, um die nach „good news“ lechzenden Delegierten darüber aufzuklären, wie böse doch die anderen sind. Das kommt allemal besser an, als sich anhören zu müssen, was man selber falsch gemacht hat. Da hätten auch die zehn Minuten mit Alexander „Das Chamäleon“ Fritsch vom insolventen Spalterclub VBJ bei weitem nicht gereicht.

Der Mann, der sich im Gestus des Erweckungspredigers als Nachfolger des abgeklärt-souveränen Sitzungspräsidenten Dieter Schnabel aufdrängt, beklagte wortreich, es gebe doch tatsächlich „Angriffe“ und sogar „Beleidigungen“ gegen „den DJV und sein Führungspersonal“.

Fritsch erwähnte vorsichtshalber nicht, daß sich die Sensibelchen vom „Führungspersonal“ die „Angriffe“ selber eingehandelt haben, weil sie die Landesverbände Berlin und Brandenburg grundlos ausgeschlossen und sich dafür blamable Niederlagen bei den Gerichten eingefangen haben. Daß sich vor allem Brandenburg gegen rechtskräftig festgestelltes Unrecht zur Wehr setzt, nannte Fritsch „illoyal, unsolidarisch, unkollegial“. Eine interessante Vorstellung von Rechtsstaat.

So etwas kennt man. Aus einem Bericht aus dem Warschauer Ghetto: „Wenn die jüdischen Ghetto-Bewohner möglichst elend aussahen und sich extrem unterwürfig benahmen, zeigten die SS-Leute fast so etwas wie menschliche Züge. Sie wurden sofort zu Bestien, die Babies ihren Müttern entrissen und an Betonwänden zerschmetterten, wenn sie auf jüdisches Selbstbewußtsein stießen.“ Fritsch, voll der Gnade der späten Geburt, ist natürlich kein SS-Mann.

Man erinnert sich: Bis zu seinem schweren Schlaganfall vom Oktober 2006 war ein gewisser Torsten Witt die Verkörperung des Bösen im Journalistenclub - sehr praktisch als Universal-Erklärung für alles, was nicht klappte. Torsten Witt, so raunen sich noch heute DJV-Apparatschiks zu, die nichts gelesen haben, aber alles wissen, sei ein „Rechtsextremer“ und ein „Neo-Nazi“. Fest steht nur, daß Witt aktiv dabei war, als der rechts-nationale Alexander von Stahl in der Berliner FDP die Macht übernehmen und sie im Sinne seiner Ideologie von Nationalstaat und Deutschtum „umpolen“ wollte. Witt war aber nicht der einzige Jünger.

Er war auch nicht der einzige, der in Jörg Haider von den österreichischen Freiheitlichen ein Vorbild für die „neue FDP“ sah. Ein weiterer Jünger aus dem Kader von Stahls heißt Alexander Fritsch. Er war zusammen mit Torsten Witt zur selben Zeit bei den Nationalliberalen.

Sie stritten gemeinsam für „Deutschland den Deutschen“ und gegen den „jüdischen“ Euro. Sie waren so bei der Sache, daß sie sich sogar einmal heftig geprügelt haben sollen, weil sie sich nicht einigen konnten, wer der rechtere und bessere Sachwalter des Deutschtums war.

Über die Waffen sind sich die damaligen Zuschauer bis heute nicht einig: Die einen sahen nur Fäuste fliegen, die anderen wollen „Hieb- und Stichwaffen“ bemerkt haben. Sieger blieb damals Witt; Fritsch soll mit blutender Nase die Kampfstätte verlassen haben.

Bei den richtigen Nazis hätte ihm das den Ehrentitel „Alter Kämpfer“ eingetragen. Aber auch bei von Stahls Nationalliberalen drehte Alexander „Das Chamäleon“ Fritsch nun erst richtig auf. Mit dem Mantra „Weg mit dem Euro“ eroberte er sich Pöstchen und einen Ruf wie Donnerhall in der rechten Szene. Sein Führer von Stahl war höchst angetan und erklärte: „Auch Alexander Fritsch, der ebenfalls in den Vorstand gewählt wurde, darf nicht übersehen werden. Er ist ein guter Journalist, PR-Fachmann und politisches Naturtalent, und er steht mit beiden Füßen fest im rechten Lager.“

Daß einer aus dem „rechten Lager“ beim DJV-Verbandstag die Eröffnungsrede hält, ist nur auf den ersten Blick überraschend. Gewiß, der sich politisch korrekt gebende Verband wird von linken SPD-Leuten und schlecht getarnten PDS-Kommunisten dominiert. Doch deren Fähigkeiten beim Mobilisieren der Massen sind bekanntermaßen eher gering. Da ist ein „nützlicher Idiot“ durchaus willkommen. Der rechtsradikale Fritsch, der als Konvertit zu den Linksextremen stieß und einen Nachholbedarf an Bekenntnis hat, kennt sich aus beim Hauen und Stechen. Gelernt ist gelernt. Und so durfte er beim DJV als Stimmungskanone auftreten. Daß er da gar nicht so schlecht ist, hatte der Mann mit den stets etwas zu engen Anzügen schon bei den Nationalliberalen eindrucksvoll bewiesen.

Das Zentralorgan der „Neuen Rechten“, die „Junge Freiheit“, schrieb damals voller Begeisterung: „Erst die beherzte Rede des Chefdenkers der Nationalliberalen, Alexander Fritsch, brachte etwas Farbe in die bis dahin müde Veranstaltung. Er begründete den Antrag der rechten FDP-Kreisverbände Neukölln, Reinickendorf und Tempelhof auf Verschiebung des Euro. Die größte Hürde für einen stabilen Euro, so Fritsch, sei das wirtschaftliche Gefälle in Europa. Doch es sei ein Irrglaube zu meinen, die stärkste Währung präge den Charakter des Euro. ‚Ein Liter Wein in einem Faß Jauche gibt ein Faß Jauche. Aber ein Liter Jauche in einem Faß Wein gibt auch ein Faß Jauche’, sagte Fritsch unter dem Gelächter und Beifall der Euro-Skeptiker im Saal.“

Wie sich die Bilder gleichen. Die anderen, das ist die Jauche, man selber, das ist der Wein. Das ist für den „Chefdenker der Nationalliberalen“ auch heute noch die Richtschnur. Den DJV-Delegierten präsentierte Fritsch in Saarbrücken die ihm von Rechtsaußen vertrauten Muster der persönlichen Diffamierung.

Brandenburgs Hans Werner Conen und Berlins Burkhard Schröder, so fabulierte Fritsch, gehe es nicht „um die Sorgen und Nöte der arbeitenden Journalisten“, sondern um „einen persönlichen Rachefeldzug“. Alles schon mal dagewesen: Bei den Nationalliberalen wollte er mit der Behauptung punkten, „der Wohlstand von Millionen von Menschen darf sich nicht nach dem Renteneintrittsalter von Helmut Kohl richten“ und „die Deutsche Mark ist zu kostbar, um damit zu spielen oder gar um damit persönliche Interessen einzelner zu befriedigen.“ Da ist er wieder, der artfremde einzelne, der dem Glück der Volksgemeinschaft im Wege steht - und gegen den deshalb alles erlaubt ist. Das haben Lenin und Hitler auch nicht anders gesagt.

Der Brandenburgische Vorsitzende Hans Werner Conen war bei Fritschs Heuchel-Rede im Saal, antwortete aber erst am nächsten Tag eher beiläufig und ohne den rechtsradikalen Bonsai-Agitator beim Namen zu nennen. „Verbandspolitischer Stuhlgang, der hoffentlich zur Erleichterung geführt hat“, war dem Oppositionsführer keine weitere Erwähnung wert.

Später machte sich Conen intern über den DJV lustig, der „sich bei den Rechtsradikalen einen Jahrmarktredner ausleihen muß. Für so dünn hätte ich die kommunistische Personaldecke nicht gehalten. Agitprop durch Outsourcing - wenn das Lenin wüßte.“ So komme immerhin die seinerzeit erfundene Behauptung, der DJV sei von einer „internationalen Verschwörung von Rechtsradikalen unterwandert“, dank Alexander „Das Chamäleon“ Fritsch und seiner Erweckungspredigt doch noch zu Ehren. Die Haß-Rede sei „verdammt nah am Nazi“ gewesen.

Es paßt zum Opportunisten Fritsch, daß er sich nie von seiner rechtsextremen Vergangenheit distanziert hat. Er erwähnt sie einfach nicht mehr und vertraut auf die Vergeßlichkeit und Recherche-Faulheit der vorgeblichen Journalisten in seiner neuen Peer-Group VBJ. „Fritsch ist ein Koof-mich, der sich jedes Mützchen aufsetzt, wenn die Kasse stimmt,“ urteilte ein Delegierter in Saarbrücken.

Der Katastrophen-Vorsitzende Michael „Das Weichei“ Konken applaudierte hocherfreut und stehend, als der „Chefdenker der Nationalliberalen“ zum Ende gekommen war. So würde der „erste Arbeitslose auf dem DJV-Thron“ gerne reden können.

Doch auch diese Begabung hat der dröge Funktionär eher nicht. Und so muß er wohl für den nächsten DJV-Kongreß wieder einen Leiharbeiter für die allfällige Agitprop-Rede engagieren.

Ein Delegierter ahnt schon, was kommt: „Als Steigerung tritt Horst Mahler auf, auch ein Wendehals. Der begrüßt uns dann wie bei Friedman erst einmal mit ‚Heil Hitler, DJV!’ Nichts ist unmöglich.“

 
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