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Unter Schmierfinken und Unterirdischen 




| Unter Schmierfinken und Unterirdischen |
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| Dienstag, 19. Februar 2008 | |
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Was tun, wenn der Obermufti öffentlich blamablen Unsinn redet? Unter DJV-Funktionären ist die Antwort klar: Man jubelt ihm zu. Also applaudierten rund 270 Delegierte des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) beim Verbandstag in Saarbrücken ihrem nicht gerade als Geistesriesen bekannten Vorsitzenden Michael „Das Weichei“ Konken artig, als er in seiner „Grundsatzrede“ am ersten Tag Erstaunliches verkündete: Ein gewisser „Willi Kaczorke, der zeitlebens in Bocholt unter Tage gearbeitet hat“, soll dank „dubioser Verbände“ einen Presseausweis bekommen und „hinter den polizeilichen Absperrungen“ als Neu-Journalist fotografieren dürfen. Schuld an solcher Ungeheuerlichkeit, so der Mini-Job-„Dozent für Tourismus-Marketing“, sind die Innenminister der deutschen Länder, die das Presseausweis-Monopol auf gerichtliches Geheiß beenden mußten und dabei das Wutgeheul der bisherigen Ausweis-Monopolisten ignorierten. Ganz nebenbei erfuhr der sich gern an sich selbst berauschende DJV so von der Politik, daß der einst mächtige Verband seit Konken zur Quantité négligeable herabgesunken ist. Das Gejammere über die „unseriösen“ anderen wischte die Innenministerkonferenz mit der abfälligen Bemerkung vom Tisch, der DJV sei ja eh bald pleite. Dagegen stellte Michael „Das Weichei“ Konken eine aufrüttelnde Vision von der Presseausweis-Apokalypse: „Pseudojournalistische Vereinigungen“, so gruselte sich der Nicht-Journalist, könnten „ganz normale Menschen ködern“ - „80 Millionen Menschen in Deutschland könnten dann einen Presseausweis besitzen.“ Nur? Na, sowas.Mit der Leidensfähigkeit eines Parteitags der KP von Nord-Korea nahmen es die vorgeblichen Vertreter „der“ deutschen Journalisten hin, daß ihr Bundesvorstand durch Auftritte nach Feudalherrenart gegenüber Politik und anderen Berufsverbänden den berühmten „bundeseinheitlichen“ Presseausweis lieber zerstört als mit wenigen anderen geteilt hat. Schicksalsergeben nahmen die selbsternannten Sachwalter aller Schreiberlinge es hin, daß nun das zentrale Argument für die Mitgliedschaft in ihrem Verband perdu ist. Auf die Frage, wie er denn nun seinen Kollegen erkläre, daß sie beim DJV 300 Euro Beitrag, bei anderen Verbänden aber nur 100 Euro zahlen sollen, meinte ein kleiner Arbeiterführer aus dem Ruhrpott: „Weiß nicht, jetzt ist doch alles egal.“ Derweil wird es wohl das Geheimnis des Arbeitslosen aus Wilhelmshaven bleiben, dessen journalistisches OEuvre man vergeblich sucht, wie es „Willi Kaczorke“ geschafft haben könnte, in der west-münsterländischen 73.000-Einwohner-Stadt Bocholt „unter Tage“ zu arbeiten. Denn Bergbau hat es dort nie gegeben. Bocholt war ab der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Mitte des 20. eines der Zentren der deutschenTextil- Industrie. Vor allem renomierte jüdische Firmen hatten ihren Sitz dort, direkt an der Grenze zu den Niederlanden. „Unter Tage“ geht in Bocholt nur auf dem Friedhof - war „Willi Kaczorke“ also in Konkens Branche, der Totengräberei? Während die an Ausfälle ihres Großmuftis gewöhnten Delegierten noch über den Bergbau in Bocholt grübelten, schritt Michael „Das Weichei“ Konken hurtig zur Neuordnung des DJV-Vorstand, Konken (rechts): Keine Online-Medienkompetenz Internets, bejubelt von Anhängern, die nach dem Motto „Niemand darf klüger als der Chef sein“ ausgewählt worden waren. Der gab derweil eine vielbeachtete Kostprobe seiner Kompetenz und donnerte in den Saal: „Der Onlinebereich ist aber auch ein Bereich, den wir verstärkt unter qualitativen Kriterien werten müssen. Nicht jeder, der sich dort als Journalist bezeichnet, hat etwas damit gemeinsam. Uns steht es gut zu Gesicht, wenn wir Richtlinien finden, um Müll von Qualität zu trennen und dies den Internetkonsumenten deutlich machen.“ Die „Boocompany“ hat Konken dafür den „Baron der Woche“ verliehen: „Das Internet ist für diesen Mann noch ein sehr neues und vielgestaltiges Thema. Immerhin äußert er sich mutig aus dem kenntnisfreien Raum.“ Konken und sein Chaos-Club aus Achtundsechziger-Fossilen möchten die Arbeit von Journalisten in „Qualität“ und „Müll“ einteilen. Das ist seit jeher der Traum der Kontrolettis. Zuletzt hat es die Reichsschrifttumskammer von 1934 bis 1945 gemacht. Das Ergebnis ist bekannt. Wie schon bei dem sang- und klanglos gescheiterten Konken-Projekt einer „Fibel“ gegen verbotene rassistische Wörter nebst „Reinigung der deutschen Sprache“ will ausgerechnet der als „Pressesprecher“, „Marketing-Berater“ und „Dozent“ gescheiterte Nicht-Journalist freien Menschen, die ihr Verfassungsrecht ausüben, „Richtlinien“ verpassen. „Da sind wir aber gespannt, ob die Creme des Internet-Journalismus wie Don Alphonso demnächst erst beim DJV um Sende-Erlaubnis einkommt,“ kommentierte Jens Hörnig, dienstältestes Brandenburger Vorstandsmitglied mit Berliner Migrationshintergrund.
Natürlich hat der „Große Einfältige aus dem Norden“ (Conen-Berater Rosenberg) im bösen Internet seine Feinde geortet, traut sich aber nicht, sie beim Namen zu nennen. In Saarbrücken entlarvte er sie zoologisch: „Das Internet ist eine Plattform auch für Schmierfinken ganz besonderer Art. Schmierfinken, die sich als Journalisten bezeichnen, die aber Persönlichkeitsrechte verletzen, sich nicht an unsere Postulate wie Wahrhaftigkeit, Objektivität, Vollständigkeit Da schau her, die Schmierfinken - halten sich einfach nicht an „Postulate“ des DJV. Na sowas - und der kann nicht einmal etwas machen, weil er keinen Gulag, keine Umerziehungslager und noch nicht einmal eine Kalaschnikow hat, von Sachkunde ganz zu schweigen. Doch die Blogger von „Mymspro“ kennen kein Mitleid mit Konkens Vögel-Phobie: „Auch wenn das jetzt als Beleidigung aufgefasst werden kann: das ist schlichtweg Dummheit. Vor allem ist es aber höchst unprofessionell. Denn wenn sich ein Vorsitzender von einer noch so unbedeutenden Klitsche dermaßen emotionsgeleitet und bar jeder Information in den öffentlichen Diskurs wirft, sollte man ganz dringend nach Ersatz suchen. Damit wäre dann wiederum stadl.biz als notwendiges Korrektiv legitimiert und allgemein der Ökokreislauf des Webs unter Beweis gestellt. Stadl.biz mag ein wenig eklig sein. Eben genau so eklig wie Würmer und Maden, die die verrotteten Kadaver verstorbener Gattungen dahin befördern, wo sie hingehören. So eklig wie notwendig eben.“ Der Stadl, ein Blog? Darauf muß man kommen. Hat Konken, „der Mann, der’s nicht kann“, in seinem bärigen Haß auf den Stadl den bizarren Streit mit den Bloggern aus schierer Unkenntnis darüber begonnen, was Blogger machen? In Blogger-Kreisen findet man kaum andere Erklärungen. Als Professionals mischen sich die Macher des Stadl nicht ein.
Daran hat auch eine Diskussionsveranstaltung in Berlin zu Jahresbeginn nichts geändert, die offenbar den Blogger-Tsunami stoppen sollte, wobei schon das Video-Streaming im Internet bezeichnenderweise erst einmal total danebenging. Die ausgerechnet vom Ex-„Chefdenker der Nationalliberalen“ Alexander Fritsch lustlos moderierte Runde machte nur noch einmal Konkens Unwissenheit klar. Er konnte einfach „Der Stadl“ zum Verbandstag: Was ein Blog ist, bestimmt Konken nicht erklären, wen er meinte, als er von „anonymen Heckenschützen“, „falschen Behauptungen“ und bitterbösen „Beleidigungen“ schwadronierte. Der wie auch sonst etwas retardiert wirkende Journalisten-Darsteller ahnte wohl, daß er unter juristischer „Fernwartung“ seiner verbandspolitischen Feinde steht. Dabei hat ihm der Blog „Mein Parteibuch“ doch schon eine Lösung nahegelegt: „Mein-Parteibuch.com gratuliert Michael Konken zur gelungenen Rede. Besser kann man keine Bewerbung für eine Frühpensionierung formulieren.“ Auf einer Sitzung des Brandenburgischen Aufsichtsrats in einem Berliner Nobel-Lokal erklärte Konkens Lieblingsfeind Hans Werner Conen: „Was der Mann anfaßt, geht schief. Konken ist eine einzige Katastrophe. Nicht nur, daß er völlig unbeteiligte Blogger angiftet, wenn er eigentlich mich und Burkhard Schröder meint, nun will er auch entscheiden, was ‚Qualität’ und was ‚Müll’ ist. Er hat nicht verstanden, daß nicht Bonzen zu bestimmen haben, was Qualität ist, sondern allein der freie Bürger, der sein Urteil durch Kauf oder Nicht-Kauf fällt. Der Markt bestimmt über Qualität, nicht der Bonzen-DJV.“ Der Aufsichtsrat wandte sich darauf dem Dessert - Apfelküchle mit Vanilleeis - zu und nahm Conen das Versprechen ab, nie wieder beim Essen über Konken zu reden. So wurde es dann doch noch ein netter Abend. |
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